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Der Schwebesommer mit vielen Veränderungen

wenn ich auf den Sommer schaue, dann empfinde ich ihn als einen Schwebesommer. Auf der einen Seite beginnen wir wieder in einen gewohnten Rhythmus hineinzukommen. Die ersten Gemeindekreise kamen nach langer Pause wieder zusammen; das konnte wie bei der ersten Gospelchorprobe recht emotional geschehen: die Chormitglieder lagen sich dabei freudig in den Armen. Auf der anderen Seite stehen einige Wechsel im Gemeindeleben an, die uns in der Zukunft keine gewohnte Normalität verheißen.

Sinnbildlich für den steten Wandel ist der Aroniastrauch auf dem Titelbild abgebildet. Vor drei Jahren hatte mein Vater diesen Strauch der Gemeinde zu meiner Ordinationsfeier geschenkt. Er wurde von einzelnen Helfern fleißig gewässert, mittlerweile trägt er sogar Früchte. An dem Strauch sehe ich wie Zeit wirken und doch stetig Dinge verändern kann. Viele der gemachten Erfahrungen und Beziehungen, die in den letzten Jahren entstanden sind, hatte ich nicht in der Hand. Es war nicht absehbar, wie sich manche Aufgaben und Herausforderungen gestalten mögen, schon gar nicht, dass eine große Pandemie über diese Dienstzeit hineinbrechen wird. An so manchen Herausforderungen konnte ich mich weiterentwickeln und wachsen, vieles konnte neu angefangen werden, musste in der Pandemie auch anders gestaltet werden. Manches brachte Blüte und Frucht, anderes musste verworfen werden. Letztendlich steht Gottes Segen über allem, was war. Er lenkt unsere Wege und führt das, was bleiben soll, ans Licht: so endet meine Probezeit nach drei Jahren am 31. Juli 2021 mit dem Tagesspruch aus dem Johannesevangelium 3, 27: „Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.“ Johannes, der Täufer, bezeugt mit diesem Satz, dass Christus aus der Kraft Gottes die Menschen tauft, die in Scharen zu ihm kommen.  Manches Mal hilft es, sich diesen Satz vor Augen zu führen, gerade in ambitionierten Momenten, wenn eigene Vorstellungen und Erwartungen unerfüllt bleiben. Unser Handeln mündet in Wohlgefallen, wenn Gott seinen Segen schenkt. Es braucht Gott gegenüber auch viel Demut, gemachte Pläne loszulassen, die sich nicht verwirklicht haben.

Für mich geht der Dienst nach der Probezeit an einer ganz anderen Stelle weiter: Ab dem 1. Oktober 2021 werde ich als Gefängnisseelsorgerin in der Justizvollzugsanstalt „Madel“  bei Burg für die Evangelische Kirche Mitteldeutschland weiterarbeiten. Bis Ende September bleibt nun Zeit Abschied zu nehmen und Übergänge zu gestalten.

Wer ab Oktober die Vakanzvertretung übernimmt, wird in der nächsten Botenausgabe veröffentlichen werden. Immerhin kann ich der Gemeinde schon jetzt freudig mitteilen, dass nach mir eine neue „Bischöffin“ nach Törten kommen wird. Mit dem Renteneintritt von Liane Meißner wird ab 1. August Frau Kathrin Bischoff ihre Tätigkeit als Gemeindemitarbeiterin für den Friedhof und die Hauswirtschaft aufnehmen. (Näheres hierzu im Artikel auf Seite?).

Sie sehen es ist eine bewegte Zeit. Es ist nicht immer leicht, den rechten Ort zu finden in dieser Welt. Ganz gewiss hilft es dabei, den Blick auf das zu richten, was wir geschenkt bekommen haben und nicht darauf zu schauen, was uns vermeintlich genommen worden ist.

Wir haben einen Ort in der Geschichte Gottes, in jeder Begegnung mit anderen Menschen, in jedem Gespräch, in jedem Lachen und Weinen können wir etwas geschenkt bekommen. Wir hinterlassen bei anderen Spuren zurück und geben immer auch einen Teil von uns mit. Im Blick auf die Begegnung zwischen der Gemeinde und mir bleibt sinnbildlich der Aronia-Strauch, der nun auf der Kirchwiese stark verwurzelt ist und weiter Früchte tragen wird, zurück.

Ihre Gemeindepfarrerin Ulrike Bischoff

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