Der Kindergarten

Laßt die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht!

Diese Jesusworte aus dem Lukasevangelium könnten über dem Eingang unserer Kirche stehen. Von Anfang an gehörte der Kindergarten dazu. Leider reichten damals die Gelder der Gemeinde nur für den Bau des Kirchgebäudes. Ein eigenes Haus für den Kindergarten war nicht möglich. Deshalb wurde wochentags die Kirche für den Kindergarten genutzt. Am Freitag wurden Spielzeug und Schlafliegen zur Seite gestellt. So war Platz für den Sonntagsgottesdienst. Danach wurde wieder zurückgeräumt. 62 Jahre ging das so. Seit 1995 hat unser Kindergarten ein eigenes Gebäude mit schönen hellen Zimmern. Jede Gruppe hat ihren Gruppenraum. Es muß nicht mehr hin- und hergeräumt werden. Und bei schönem Wetter bietet das Außengelände reichlich Platz zum Spielen und herumtoben.

Aus der Geschichte des Kindergartens
Folgender Abschnitt stammt aus der Festschrift der Kreuzgemeinde zum 70. Jahrestag der Einweihung des Kreuzgemeindehauses , mit der auch der Kindergarten seinen Betrieb aufnehmen konnte. Verfasser ist Pfarrer i. R. Siegfried Schulze:
Am 1. August 1933 wurde der evangelische Kindergarten im Kreuzgemeindehaus eröffnet. Die Leitung übernahm die 28-jährige Kindergärtnerin und Hortnerin Emma Demmel. Als sie ihren Dienst antrat, war außer den Räumlichkeiten buchstäblich nichts vorhanden, was zur Kindergartenarbeit gebraucht wird. In Folge der Arbeitslosigkeit fehlten die Mittel. Das Spielzeug fertigte die junge Leiterin selbst an. Es grenzte jedoch an ein Wunder: Die Kinder kamen in hellen Scharen. Ursprünglich war an eine Kapazität von 40 Kindern gedacht worden. Doch am Eröffnungstag standen 60 Kinder vor der Tür. Diesen Kindern gehörte bei all ihrer Strenge fortan das Herz von „Tante Emmi“. Zu den Kindergarten-Eltern, die zu Eltern- und Bastelabenden eingeladen wurden, entstand ein vertrauensvoller Kontakt. Bald hatte „Fräulein Demmel“, wie sie damals respektvoll genannt wurde, Helferinnen zur Seite. Mit Leib und Seele war sie Kindergärtnerin. Ihre Arbeit mit den Kindern verstand sie als ihr von Gott anvertrauten Dienst für die Gemeinde. Da man sich in vielen Belangen der Gemeinde oftmals zuerst an sie wandte, weil sie im Kirchgemeindehaus tagsüber erreichbar war, wuchs ihr noch so etwas wie die Aufgabe der Gemeindehelferin zu.

Hinter dem Plan, Kirchgemeindehaus und Kindergarten zu verbinden, stand ein doppelter Gesichtspunkt: Die volksmissionarische Aufgabe der Kirche und die soziale Verpflichtung der Christen. Dieses Konzept hat sich in Dessau-Süd vollauf bewährt. Anfänglich hatte der Kindergarten in unserem Stadtteil noch keine Konkurrenz. Doch später brauchte er sie nicht zu scheuen. Stets konnte er sich eines guten Rufs erfreuen. Das wiederum kam der Gemeinde zugute. Durch den Kindergarten entstanden Kontakte zu vielen Familien. Manche wurden in der Gemeinde heimisch und zu aktiven Gemeindegliedern. Niemals verband sich die volksmissionarische Aufgabe etwa mit Zwang oder auch nur einem „leisen Druck“. Aber es gab ein deutliches Angebot, dadurch dass der Kindergarten die biblische Botschaft vermittelte. Die Verbindung mit den jungen Müttern und Vätern schuf Bande, die vielfach dauerhaft gehalten haben. Nicht zu vergessen sei der gute Kontakt zu katholischen Christen, die ihre Kinder unserem Kindergarten anvertrauten. Das sollte sich für beide Seiten, auch für das ökumenische Klima zwischen beiden Gemeinden, als segensreich erweisen.